Stand: 09.08.2014
Design: Marcel Röhrig

300 Jahre St. Petersburg
Metropole zwischen Mord und Melancholie
NDR, 45 Min

es gibt Alles...

 

St. Petersburg hat Geburtstag
Metropole zwischen Mord und Melancholie

Autorin : Rita Knobel-Ulrich
Kamera: Sven Kiesche
Produktion: Telemontis Hamburg
Redaktion: Knut Weinrich, NDR

Für Zar Peter den Großen war “ Piter “ Lieblingsprojekt,  für die Arbeiter, die seinen Traum buchstäblich aus dem Sumpf stampfen mußten, eher die Hölle : Sankt Petersburg, zweitgrößte Stadt Rußlands, spiegelt bis heute wie keine andere Stadt die Widersprüche Rußlands wider. Ein Fenster nach Westen wollte Zar Peter aufstoßen, das unterentwickelte russische Reich an europäische Zivilisation, “den Westen” heranführen, aber seine Gegner ließ er kurzerhand mit Stangen unters Eis schieben.
Als später 1917 das Zarenreich im Blut der Revolution versank, wurde aus Petersburg das proletarische Petrograd, wenig später Leningrad.  Heute heißt die Stadt wieder Petersburg, aber auch nach Umbruch und perestroijka ist die dreihundert Jahre alte Frage lebendig: ist Rußland Teil Europas oder versinkt es in der Barbarei? Wieder ist es Petersburg, wo diese Frage dringlicher als anderswo gestellt wird.
Der NDR-Film begleitet Petersburger, die sich auf den Geburtstag ihrer Stadt vorbereiten und mitfeiern und fragt bei ihnen nach:
Für die Arbeiter, die hoch auf der Peter-Paul-Festung den goldenen Engel, das Wahrzeichen der Stadt, auf Hochglanz polieren ist die Antwort klar. Piter , wie sie ihre Stadt liebevoll nennen , sei natürlich “ Europa “ , zivilisiert und westlich. Auch die junge Balletteuse des Marinskij-Theaters sieht das so, schon fast empört über die Frage . Der Milizionär , der sich in der Hauptstadt der Auftragsmorde, mit Kriminalität, Straßenkindern und Obdachlosen herumschlagen muß, ist da schon viel skeptischer. Europäische Zivilisation ist für ihn noch lange nicht heimisch in seiner Stadt, ebenso wenig wie für die Rentner, die sich als Aufsicht im Winterpalais des Zaren ein Zubrot verdienen. Für sie ist es Barbarei, zwischen Suppenküche oder lebenslanger Arbeit “ wählen” zu müssen , während Besucher aus aller Welt staunend vor der Größe des Kunstschaffens der Besten Europas stehen.
In Petersburg wird Geburtstag gefeiert, gemalt, ausgebessert,  renoviert. Für den  NDR ist der 300. Geburtstag von St. Petersburg Anlaß, ein Porträt der Stadt und ihrer Menschen zu zeichnen und der Frage nachzugehen, die Zar Peter und die Russen bis heute beschäftigt: Ist Petersburg aufgeklärter Westen oder immer noch barbarischer Osten, Teil der Ersten Welt oder gar noch Dritte Welt?

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