Stand: 31.12.2014
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+ Ärzte +
 Ärzte streiken, Ärzte wandern aus: Was ist bei uns los?

Todmüde im OP –  Ärzte im Dauerstress : Eine Reportage von Rita Knobel - Ulrich
Mittwoch , 29.3. 2006 um 21.45 in der ARD

Jeder LKW-Fahrer muss nach 10 Stunden Arbeit das Steuer abgeben, Ärzte dürfen auch noch nach 20 Stunden Dienst einen schweren Unfall operieren, denn der Dauereinsatz ist vom Gesetzgeber erlaubt. Ein NDR-Team hat in der Unfallambulanz der Universitätsklinik Göttingen zwei junge Ärzte während einer Mammut-Schicht begleitet. Und während das Kamerateam nach 10 Stunden Dienst ausgewechselt wurde , weil ein längerer Einsatz nicht erlaubt nicht, schienten die jungen Ärzte Beine, operierten Knie, verbanden Wunden, schoben schwer Verletzte in den Computertomographen,  eilten auf die Stationen:
gerade mal drei Stunden konnten die Mediziner während ihres sogenannten Bereitschaftsdienstes schlafen.
Schon seit 3 Jahren sind solche Schichten nach EU-Recht nicht erlaubt. Immer wieder wird eine Anpassung hierzulande aufgeschoben. Es fehlen die Ärzte und das Geld, heißt es lapidar.
Doch: 12500 deutsche Ärzte arbeiten im Ausland. Dort gibt es bessere Arbeitszeiten, mehr Geld und weniger Bürokratie.
Die Politik findet das nicht weiter schlimm: Der Reporterin erklärte der zuständige Staatssekretär, wir seien schließlich ein offenes Land – und im übrigen, so schlimm sei das alles gar nicht.
Es ist noch viel schlimmer: Nur anonym war ein junger Arzt bereit, uns von den Zuständen an seiner Klinik zu berichten: 35 Stunden am Stück sind die Regel, wer aufmuckt, wird mit OP-Verbot bestraft, werde nie Facharzt und finde nirgendwo mehr einen Job. Wer sich dem Druck beugt, den treibt die Angst um – irgendwann mal einen Fehler zu machen, vielleicht einen, der die Patienten das Leben kosten kann:
Bei der größten deutschen Haftpflichtversicherung haben Mediziner vorsorglich nachgefragt, ob sie auch dann versichert seien, wenn sie nach einer Mammutschicht einen Fehler begingen ...
Ist Auswandern wirklich die einzige Alternative? Wir haben junge Ärzte in Norwegen besucht. Es sei die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen, auszuwandern, sagen die. Sie arbeiten acht Stunden, haben Zeit für die Familie und wollen nie wieder als Ärzte in Deutschland arbeiten.
Während jeder Pilot oder Dachdecker sich an rigide Arbeitszeitvorschriften halten muss ,  leben Ärzte in einem Ausnahmezustand – und  das soll offenbar noch ein ganzes Jahr so bleiben , weil die Krankenhäuser nicht wissen , wie sie Neueinstellungen bezahlen sollen.
Aber das Ganze ist brandgefährlich –j edenfalls für die Patienten, die einem Arzt nach 20 Stunden Dienst in die Hände fallen können und sich darauf verlassen müssen, dass er die richtige, lebensrettende Entscheidung  trifft.

Vor der OP

...hoffentlich nicht!

... bei ausgewanderten Ärzten in Stavanger

erste Sonnenstrahlen...

Rettungsflug in Stavanger

Bei der Arbeit

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